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Damals...
Schon 1899, am 11. September, findet das erste Straßenrennen in Brescia statt. Es geht über Cremona und Mantua nach Verona und dann zurück nach Brescia. 233 km auf den Schotterwegen des letzten Jahrhunderts. Von motorisierten Fahrrädern bis zu großen Automobilen ist alles vertreten, was stinkt und knattert. Der Sieger braucht 4 Stunden, 41 Minuten und 19 Sekunden. Auf den dritten Platz kommt ein 18 Jahre alter Kunststudent aus Mailand - Ettore Bugatti, später Gründer eines der berühmtesten Automobilwerke der Welt. Wenige Jahre später gewinnt Vicenzo Lancia das nunmehr 370 km lange Rennen mit 115,7 km/h Durchschnitt. 1905 gibt es eine Kombination von Motorrad-, Auto- und Kanurennen, das auf dem Gardasee stattfindet. Jetzt sind es schon 501 km.
Und wo wir schon bei berühmten Namen sind, Fiatgründer Giovanni Agnelli und der Kriegsheld und Dichter Gabriele D'Annunzio sind unter den Protagonisten dieses Rennens. D'Annunzio, ein glühender Verehrer des weiblichen Geschlechtes, setzt durch, daß das Automobil grundsätzlich als weiblich bezeichnet wird. Nach einer längeren, unter anderem kriegsbedingten Pause beginnt die eigentliche Geschichte des schönsten Rennens der Welt am 26. März 1927. Der unvergessene Rudolf Caracciola schreibt in diesem Jahr: „Wie ist es nur möglich in dieser schwierigen Zeit, wo doch alles gegen Autorennen spricht, ein solches Rennen erfolgreich zu organisieren und durchzuführen?!" Die Antwort liegt im italienischen Volk und den Menschen von Brescia im besonderen. Tausende von Zuschauern säumen die Straßen, und in jedem anderen Land wäre die Logistik zur Durchführung ein Ding der Unmöglicheit.
Die Teilnehmerlisten der folgenden Jahre lesen sich wie ein Querschnitt der Renn- und Automobilgeschichte. Namen wie Nuvolari, Varzi, Campari, von Hanstein, Villoresi und Moss auf Marken von Alfa bis Veritas finden sich ein. Wegen der vielen möglichen Klassen sehen wir auch Kleinwagen, wie den Topolino, und selbst BMW's Isetta, die berühmte Knutschkugel, nimmt einmal teil - eine harte Geduldsprüfung für Roß und Reiter. 1940 findet die letzte Mille statt, bevor in Europa die Lichter ausgehen. Ein verkürzter Kurs von Brescia über Cremona und Mantua muß neunmal umrundet werden.
Von Hanstein gewinnt das Rennen, und auf die Frage, was denn das Zeichen SS auf seiner Lederjacke bedeute, antwortete er: „Super-Sport, natürlich!" Erst nach sieben Jahren findet die nächste M.M. statt, und es dauert bis 1955, um den dritten Ausländer in der Geschichte der Mille auf dem Siegertreppchen zu sehen. 1931 gewann Caracciola auf Mercedes, 1940 von Hanstein auf BMW, und jetzt, 1955, ist es Stirling Moss auf dem Mercedes 300 SLR. Er gewinnt mit dem höchsten jemals erzielten Durchschnitt von 157,55 km/h - 1600 km in 10 Stunden, 47 Minuten und 48 Sekunden. Dann, 1957, das tragische Ende der Mille Miglia. De Portago verliert ein Rad seines Ferrari bei einer schnellen Ortsdurchfahrt, der Wagen schleudert in die Menge und reißt etliche Zuschauer mit in den Tod. Zu gefährlich, nicht mehr zeitgemäß und ähnlich lauten die Kommentare, und das schönste Straßenrennen der Welt ist für immer vorbei. |
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